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TdS Handlungskompetenzorientierung 2025

Good practice an Berufsfachschulen
TdS

Die Veranstaltungsreihe Tour de Suisse (TdS) wird im Jahr 2025 zum Thema Handlungskompetenzorientierung durchgeführt. HKO hat in der Berufsbildung vollumfänglich Einzug gehalten. Keine Berufsentwicklung kommt daran vorbei. Die Berufsfachschulen sind dabei gefordert: Lernziele, Lehrpläne und der Umgang mit Prüfungen und vieles mehr müssen angepasst oder gar neu gedacht werden.

Anlässlich der Gemeinsamen Tagung vom September 2024 haben die Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) und die Table Ronde Berufsbildender Schulen (TR BS) das Thema HKO bearbeitet.  Als Ausgangslage diente die Modellübersicht der EHB zu HKO. In einem Fazit wurden Schlussfolgerungen gezogen sowie eine Aufstellung von Good Practice-Fällen zusammengetragen. 

Handlungskompetenzorientierung als Gestaltungsrahmen – gemeinsame Prinzipien, vielfältige Umsetzungen

Es zeigt sich deutlich, dass die konkrete Umsetzung der HKO stark schul- und berufsspezifisch erfolgt. HKO ist kein starres didaktisches Rezept, sondern bildet einen Gestaltungsrahmen. Damit bestätigt sich das Fazit der Modellübersicht HKO (Strebel & Wettstein 2024), wonach sich hinter der formalen Vergleichbarkeit eine inhaltlich-didaktische Vielfalt verberge.

In allen Berufen verbinden die Schulen die HKO mit einer stärkeren Praxisorientierung und einem Rollenwandel hin zum Lernbegleitenden bei den Lehrpersonen. Dies zeigt sich auch in den Methoden, die eingesetzt werden, z.B. Fallanalysen, Praxisdemonstrationen und Handlungskompetenz-Aufträge.

Schliesslich sind sich die Schulen einig darüber, dass die Umsetzung der HKO anspruchsvoll ist. Zum Beispiel bezüglich Entwicklung von guten Aufträgen und Prüfungen und der didaktischen Weiterqualifizierung der Lehrpersonen.

Einige Schulen blicken auf jahrzehntelange Erfahrungen mit der HKO zurück, während in der kaufmännischen Grundbildung ein grundlegender Strukturwandel erst mit der Revision 2023 erfolgt ist. Je länger die HKO bereits etabliert ist, desto selbstverständlicher sind auch fächerübergreifende Strukturen.

Die HKO wird räumlich, digital und organisatorisch je nach Möglichkeiten der Schulen umgesetzt. Die Infrastruktur wirkt als didaktischer Faktor mit, sei es als «dritter Pädagoge» in Atelierräumen in Baselland oder durch die Schulkäserei und das Labor in Grangeneuve. Auch die digitale Infrastruktur und Konzepte wie Blended Learning oder SOL sind sehr unterschiedlich stark ausgeprägt und in das HKO-Verständnis integriert.

Die grundsätzliche Debatte zur HKO spiegelt sich an den Schulen wider: Wie viel fachliche Systematik braucht handlungskompetenzorientierter Unterricht? In Grangeneuve wird das Fachwissen stark betont, in Baselland werden Kenntnisse konsequent in Situationen und Fallkontexte eingebettet. Am BBZW Sursee und der WKS Bern wird die Theorie über Projekte oder HK-Aufträge mit der Praxis vernetzt.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Profilen der Lehrpersonen – berufspraktisch sozialisierte Lehrpersonen haben einen einfacheren Zugang zur HKO als akademisch geprägte Fachlehrpersonen.

Die «Tour de Suisse HKO» hat ein kurzes Eintauchen in unterschiedliche Schulkulturen ermöglicht. Sie war geprägt durch die Offenheit der Schulen über Herausforderungen und Lösungsansätze zu sprechen. Die Spannungsfelder Theorie-Praxis, Bewertung und Arbeitsbelastung sind systemisch mit der Umsetzung der HKO verknüpft und nicht schulspezifisch. Die vier Etappen lieferten damit ein exemplarisches Bild des aktuellen Stands der HKO-Umsetzung und Debatten in der Schweizer Berufsbildung (Maurer 2025, Schneebeli 2025).

Quelle: Der vorliegende Text ist zuerst erschienen in Transfer. Berufsbildung in Forschung und Praxis.